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Traumgarage

Koenigsegg One:1: Wenn Physik nur noch eine Empfehlung ist.

Von Sascha Riefe· 22. Juni 2026 · 03:11 Uhr

1 Kilo = 1 PS! Erfahre alles über den extrem seltenen Koenigsegg One:1. Wir beleuchten die faszinierende Technik des Megacars und die Historie von Chassis 7108.

Wer bei "1:1" an ein langweiliges Fußball-Unentschieden aus der Kreisliga denkt, hat die Rechnung ohne Christian von Koenigsegg gemacht. Der schwedische Hypercar-Flüsterer hat 2014 auf dem Genfer Autosalon mal eben die Automobilwelt auf links gedreht und ein Fahrzeug abgeliefert, das bis heute feuchte Hände verursacht: den Koenigsegg One:1.

Wir werfen einen genauen Blick auf eines der verrücktesten Autos des 21. Jahrhunderts, genauer gesagt auf Chassis Nummer 7108, das in der Szene als „JC“ für offene Münder sorgt. Schnallt euch an, es wird schnell. Verdammt schnell.

Die magische Formel: 1 Kilo = 1 PS

Vergiss das lästige Autoquartett-Geplänkel. Der Name One:1 ist hier absolutes Programm und markiert das Leistungsgewicht. Auf der Waage bringt die Kiste mit allen Flüssigkeiten exakt 1.360 kg auf die Räder. Und was drückt der Motor? Absurd brachiale 1.379 PS (was im angloamerikanischen Raum exakt 1.360 hp entspricht).

Damit knackt der 5,0-Liter-Twin-Turbo-V8 im Heck ganz nebenbei die Grenze von exakt einem Megawatt Leistung. Koenigsegg hat damit mal eben eine völlig neue Fahrzeugkategorie erfunden: Tschüss Hypercar, hallo Megacar!

Ein paar absurde Fakten zum Mitnehmen:

  • 0 auf 400 km/h: In etwa 20 Sekunden. (Lies den Satz nochmal. In der Zeit haben normale Autos gerade mal die Autobahnauffahrt bewältigt.)

  • Höchstgeschwindigkeit: Die Reifen sind offiziell bis 440 km/h freigegeben.

  • Abtrieb: Dank aktiver Aerodynamik und einem gigantischen Heckflügel klebt das Teil auf dem Asphalt wie Kaugummi am Turnschuh.

Chassis 7108: Der „Pink Panther“ aus Carbon

Insgesamt wurden nur sechs dieser Megacars für Kunden gebaut. Eines davon ist das hier gezeigte Chassis 7108. Unter Koenigsegg-Jüngern ist der Wagen einfach nur als „JC“ bekannt – diese Initialen prangen stolz auf der Motorabdeckung und gehören dem Erstbesitzer. Das Auto gilt als das wohl am häufigsten fotografierte Exemplar der gesamten Kleinserie. Und wenn man sich die Optik ansieht, weiß man auch warum.

Hier wurde nicht einfach ein Eimer Farbe über die Karosserie gekippt. Der One:1 trägt ein maßgeschneidertes Kleid aus klarlackiertem Carbon und Kevlar. Um das Ganze auf die absolute Spitze zu treiben, wurden sämtliche Konturen – von der Dachhutze über den Splitter bis hin zum Heckdiffusor, mit Akzenten im Farbton China Pink nachgezogen.

  • Felgen: Der Wagen rollt auf revolutionären Aircore-Felgen aus reinem Sichtcarbon. Das ist feinste Ingenieurskunst, bei der das Rad fast nichts wiegt, aber unfassbar stabil ist. Auch hier blitzen Bremssättel und Details in China Pink durch.

  • Das Interieur: Innen geht die wilde Fahrt weiter. Schwarzes Leder und Alcantara treffen auf federleichte Carbon-Schalensitze. Die Nähte, Sitzkeder und Türverkleidungen greifen das pinke Farbschema konsequent auf. Minimalistisch, fokussiert, aber immer noch mit dem nötigen Rest-Luxus für die Landstraße.

Aus guter deutscher Hand: Die Historie

Dieser spezifische One:1 hat eine ziemlich spannende Vita. Ausgeliefert wurde er am 4. April 2015 – und zwar direkt nach Deutschland. Esser Automotive, der bekannte Koenigsegg-Händler aus Aachen, übergab den Wagen an ein Unternehmen in Hilden. Später wanderte er weiter nach Düsseldorf.

Der Wagen wurde nicht einfach in einer klimatisierten Garage weggesperrt, sondern ordentlich, aber extrem behutsam bewegt. Auf dem Tacho stehen schlanke 4.233 Kilometer. Regelmäßige Services bei Esser und Werks-Updates belegen: Hier wurde nicht gekleckert, hier wurde penibel gepflegt.

Wer so ein Auto besitzt, kauft übrigens nicht nur ein Stück Carbon mit absurd viel Leistung, sondern auch eine Eintrittskarte. Mit dem Schlüssel zum One:1 wird man automatisch Teil der Ghost Squadron – einem extrem elitären, privaten Netzwerk von Koenigsegg-Besitzern, das internationale Ausfahrten und exklusive Treffen veranstaltet, von denen Otto Normalverbraucher nicht einmal weiß, dass sie stattfinden.

Vom Asphalt unter den Hammer

Ein kurzes rechtliches P.S.: Wir beleuchten dieses automobile Kunstwerk hier aus reiner Begeisterung für die Technik. Wer jetzt allerdings panisch sein Sparschwein knackt, sollte wissen, dass genau dieser Koenigsegg One:1 (Chassis 7108) im Rahmen der Tegernsee-Auktion unter den Hammer kommt oder kam. Für Sammler ist das nicht nur der Kauf eines extrem seltenen Autos, sondern die Chance, eines der prägendsten Kapitel der modernen Automobilgeschichte zu ergattern. Für den Rest von uns bleibt es ein faszinierender Traum auf vier Rädern.

© Stephan Bauer 2026 Courtesy of RM Sotheby's
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