Willkommen in der Stadt der Liebe, in der Cupra momentan eher die Liebe zur brachialen Optik zelebriert. Die spanische VW Tochter fährt auf dem Autosalon dicke Geschütze auf und klopft sich für die starken Vorbestellungen des urbanen Raval ordentlich auf die Schulter. Fünfzigtausend Blindkäufe seit April sind ein massiver Vertrauensvorschuss für ein Auto, das die Elektromobilität in der Breite elektrisieren soll.
© Cupra Media / ABT
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© Cupra Media / ABTStadtflitzer im kompromisslosen Rennanzug
Damit der Raval vor dem angesagten Szene Café nicht in der Masse untergeht, haben die Spanier zusammen mit der Tuningschmiede ABT ein Custom Paket geschnürt. Ein wuchtiger Frontsplitter, markante Seitenschweller und ein üppiger Dachspoiler ziehen den Stromer optisch extrem nah an den Asphalt. Abgerundet wird das Fitnessprogramm durch mattschwarze 19 Zoll Alufelgen. Das macht den urbanen Elektrofloh zu einem echten Hingucker, der im Rückspiegel so wirkt, als wolle er brave Kleinwagen zum Frühstück verspeisen.
Hier muss der automobile Sachverstand jedoch kurz auf die Bremse treten. Ein auf maximalen Abtrieb und minimale Bodenfreiheit getrimmtes Bodykit an einem Fahrzeug, das explizit für den städtischen Raum vermarktet wird, ist in der Praxis eine geradezu komische Kombination. Spätestens beim Kontakt mit dem ersten massiven Randstein oder der typisch französischen Verkehrsberuhigungsschwelle zersplittern solche aerodynamischen Kunstwerke schneller als feines Porzellan auf einem Polterabend. Für das Auge ist das ein Traum, für den Geldbeutel im Alltag potenziell ein Albtraum.
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© Cupra Media / ABTVon der Rennstrecke direkt in die Gehörgänge
Deutlich sinnvoller erscheint der Fokus auf echte Performance bei Cupras Motorsportableger Kiro. Der neue Formel E Bolide der vierten Generation liest sich auf dem Datenblatt wie ein physikalisches Wunderwerk. Ein Sprint von null auf hundert Stundenkilometer in unter zwei Sekunden sortiert die Gesichtszüge der Piloten Jake Hughes und Pepe Martí garantiert neu. Mit über 335 km/h Topspeed und einem neuen Allradantrieb von Porsche wird die elektrische Rennserie in der kommenden Saison definitiv noch eine gewaltige Schippe Wahnsinn obendrauf legen. Davon profitiert auch die Serie: Anfang 2027 bekommt der zivile Raval ein Update, das ihm nicht nur eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h beschert, sondern auch einen Memory Rückfahrassistenten, der enge Ausfahrten automatisch meistert.
Wer lieber im Auto feiert, bekommt im Tavascan Black Edition nun die neueste Ausbaustufe des Sennheiser Ambeo Systems um die Ohren gehauen. Vier zusätzliche Körperschallwandler im Dach sollen den Sound nicht nur hörbar, sondern physisch spürbar machen. Eine virtuelle Schädeldeckenmassage durch wummernde Bässe ist sicherlich ein feines Gimmick, das Cupra clever auf weitere Modelle wie den Formentor und Leon ausrollen wird.
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© Cupra Media / ABTDie Vision und der dringend nötige Realitätscheck
Zum krönenden Abschluss parkt das Tindaya Showcar auf dem Messestand. Mit dem selbstbewussten Slogan "No Drivers, No Cupra" verspricht die Marke eine radikale Rückbesinnung auf die Person am Lenkrad und pure Emotion beim Fahren. Das ist eine wundervolle und tröstliche Botschaft in einer Zeit, in der moderne Autos immer mehr zu rollenden Smartphones auf Rädern mutieren.
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© Cupra Media / ABTGenau an diesem vollmundigen Versprechen muss sich die Marke jedoch in Zukunft messen lassen. Es nützt die schönste Fahrerzentrierung nichts, wenn essentielle Fahrzeugfunktionen in der Serie weiterhin in verschachtelten Touchmenüs versteckt werden. Cupra hat das Momentum, ein frisches Image und das aggressive Design klar auf seiner Seite. Wenn sie es schaffen, die Balance zwischen lauter Lifestyle Optik und echter intuitiver Bedienbarkeit zu finden, bleibt die Marke ein gefährlicher Herausforderer für die Etablierten. Bis dahin erfreuen wir uns an den breiten Backen des Raval und meiden bei der Probefahrt strikt alle steilen Parkhausauffahrten.



