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FIAT Multiplay: Wenn der Familienvan plötzlich zum Pick-up mutiert

Von Weih Seng Au

Kult-Comeback neu gedacht: Die bunte Studie FIAT Multiplay verwandelt sich mit cleverer Schiebetechnik vom Familienvan in einen offenen Pick-up.

Hand aufs Blechherz: Wer erinnert sich nicht an den legendären Multipla von 1998? Mit seiner berühmten Delfinschnauze und dem eigenwilligen Speckröllchen unter der Windschutzscheibe hat er damals die Designwelt gespalten, aber beim Thema Platzangebot schlichtweg die Konkurrenz gefrühstückt. Jetzt zünden die Italiener auf dem Pariser Autosalon 2026 die nächste Evolutionsstufe des kultigen Raumwunders. Auf dem Vorabend-Event „Night Before“ zogen Stellantis-Stratege Olivier François und Marken-Boss Arnaud Belloni das Tuch vom neuen FIAT Multiplay. Und dieser bunte Hund ist kein gewöhnlicher Nachfolger, sondern ein echtes Schweizer Taschenmesser auf Rädern, das mal eben drei komplett unterschiedliche Fahrzeugklassen in einen Topf wirft.

Außen Wassermelone, innen Raumschiff: Das Design des FIAT Multiplay

Schon auf den ersten Blick macht die exakt 4,45 Meter lange Studie klar, dass graue Tristesse in Turin Hausverbot hat. Die Designer haben sich für den Farbtopf nämlich von einer saftigen italienischen Wassermelone inspirieren lassen. Während das Blechkleid in einem knalligen Melonen-Grün leuchtet, empfängt der Innenraum die Passagiere in frischen Rot- und Rosétönen samt zartrosa Fußboden und türkisfarbenen Pixel-Verläufen. Das weckt sofort Sommergefühle und zitiert ganz nebenbei die klassische Marken-Philosophie „Body Colour Inside-out“, bei der Außen- und Innenfarben nahtlos miteinander flirten.

Optisch tritt der Neuling selbstbewusst wie ein modernes SUV auf, schleppt aber die Gene zweier echter Meilensteine mit sich herum:

  • Der Urvater (1956): Schon der historische 600 Multipla quetschte damals sechs Personen auf winzige 3,5 Meter Fahrzeuglänge.

  • Die Ikone (1998): Der späte Neunziger-Jahre-Held packte sechs Einzelsitze in zwei Reihen auf unter vier Meter.

  • Die Neuzeit (2026): Große Glasflächen, riesige Seitenscheiben und ein üppiges Panoramadach fluten die Kabine mit Tageslicht und lassen die Grenzen zur Umwelt fast verschwinden.

Der „Metamorfosi“-Trick: Vom 7-Sitzer zum Lastenesel in Sekunden

Jetzt kommt der eigentliche Partytrick, bei dem selbst hartgesottene Ingenieure zweimal hinschauen müssen. Normalerweise kauft man sich entweder einen braven Familienbomber für den Schulweg oder einen praktischen Pritschenwagen fürs grobe Wochenend-Hobby. Der FIAT Multiplay sagt einfach: Warum nicht beides im selben Auto? Das Zauberwort hinter dieser Verwandlungskunst heißt „Metamorfosi“ und sitzt rund um die C-Säule.

Über ein cleveres Schienensystem gleitet das gesamte Heckmodul der Karosserie längs über den Wagen. Was morgens noch ein geschlossener Familienvan mit 6+1 Sitzplätzen war, verwandelt sich mit wenigen Handgriffen in einen offenen, viersitzigen Pick-up mit luftiger Ladefläche für sperriges Outdoor-Equipment. Damit aber noch nicht genug der Ingenieurs-Magie: Selbst der aerodynamische Heckspoiler macht sich nützlich. Dreht man das Bauteil einfach um, mutiert der Spoiler im Pick-up-Modus zum festen Fahrradträger, der bis zu zwei Bikes sicher verzurrt. Separates Zubehör aus dem Baumarkt kann also getrost im Keller verstauben.

Haustier-Thron und Sonnenliege: Ein Innenraum voller Überraschungen

Klettert man in die Kabine, geht das fröhliche Umbauen munter weiter. Die Italiener räumen mit einer der größten Lügen moderner Familienautos auf: der meist völlig unbrauchbaren dritten Sitzreihe, auf der sonst höchstens Gartenzwerge schmerzfrei reisen. Durch die clevere Raumarchitektur bietet das Heckabteil hier echten Platz für zwei Kids oder sogar einen ausgewachsenen Mitfahrer.

Richtig spannend wird es bei den pfiffigen Detail-Lösungen, die den Alltag versüßen:

  • Der „Petsenger Seat“: Dieser modulare Zusatzsitz macht aus dem Sechssitzer das „6+1“-Konzept. Er funktioniert wahlweise als sicherer Ankerpunkt für den Kindersitz, als praktischer kleiner Tisch, als Ablagebox oder als königlicher Logenplatz für den Familienhund.

  • Integrierte Hunde-Features: Wer mit Vierbeiner reist, zieht einfach ein äußeres Segment des Sitzpolsters ab und nutzt es direkt als Hundeleine. Der passende, faltbare Wassernapf wartet griffbereit in einem speziellen Türfach.

  • Der „Sunseat“ zum Chillen: Steht der Wagen am Strand oder beim Ladestopp, dreht sich der Beifahrersitz einfach nach hinten. Das schräge Armaturenbrett samt Kissen dient plötzlich als gemütliche Rückenlehne, wodurch unter dem Glasdach eine echte Chaiselongue für das perfekte Dolce-Vita-Nickerchen entsteht.

  • Verstecktes Infotainment & 3D-Strick: Statt den Fahrer mit riesigen Bildschirm-Wänden zu erschlagen, verschwindet das Display im Armaturenbrett komplett aus dem Sichtfeld, sobald der Wagen ausgeschaltet wird. Dazu bestehen die weichen Oberflächen aus nahtlos im 3D-Strickverfahren gefertigten Monomaterial-Textilien, die im Kinder- und Tierbereich komplett wasserabweisend sind.

Technik & Serienchancen: Sehen wir den Verwandlungskünstler bald auf der Straße?

Wer jetzt schon mit dem Scheckbuch wedelt, muss leider ganz stark sein. Bei der Präsentation in Paris, bei der Olivier François symbolisch den Autoschlüssel für die neue Marken-Ära an CEO Arnaud Belloni übergab, machten die Verantwortlichen keinen Hehl aus der Rolle des Fahrzeugs: Der FIAT Multiplay ist ein reines „Ideenlabor“ für die Zukunft und kein konkreter Vorbote für den nächsten Verkaufsstart beim Händler. Genau deshalb schweigen die Turiner zu profanen Dingen wie Motorleistung, Akkugrößen oder Reichweiten komplett. Viele der gezeigten Ideen, vom drehbaren Fahrradträger-Spoiler über die pflegeleichten 3D-Strickbezüge bis zum flexiblen Haustier-Sitz, könnten wir aber schon bald in künftigen Serienmodellen der Marke wiedersehen.

© FIAT / Stellantis Media
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Über den Autor

Weih Seng AuStellvertretender Chefredakteur

Als Vibe Coder und Gamer bringt Weih eine lockere, spontane Energie in alles, was er anpackt. Seine automobile Leidenschaft ist dabei so vielseitig wie er selbst: Neben der tiefen Faszination für das direkte Fahrgefühl klassischer Verbrenner schlägt sein Herz besonders für die JDM-Kultur und die dynamische Zukunft der Elektromobilität.

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