Wer geglaubt hat, im Segment der elektrischen Full-Size-SUVs seien die Plätze bereits für alle Zeiten vergeben, sollte den Blick nach Graz richten. Bei Magna Steyr rollt mit dem XPENG G9L das vierte Modell der Marke vom Band. Pünktlich zur Europapremiere auf dem Pariser Automobilsalon öffnen sich die Bestellbücher in Deutschland zu Preisen ab 74.600 Euro. Auf dem Datenblatt bringt das 5,12 Meter lange Flaggschiff reichlich Argumente mit, um der arrivierten Konkurrenz gehörig Puls zu bescheren.
© XPeng Motors Germany GmbH
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© XPeng Motors Germany GmbHRollende VIP-Lounge mit bis zu sieben Plätzen
Drei Sitzreihen, 3,10 Meter Radstand und knapp zwei Meter Karosseriebreite sorgen dafür, dass Beengtheit in diesem Fahrzeug ein Fremdwort bleibt. Zur Wahl stehen eine klassische Siebensitzer-Konfiguration sowie eine sechssitzige Variante mit Einzelsitzen in Reihe zwei. Letztere verwandelt den Fond in ein erstklassiges Reiseabteil mit beheizbaren, belüfteten Nappaleder-Sesseln samt Massagefunktion. Selbst in der dritten Reihe gibt es noch klimatisierte Plätze, die sich elektrisch im Boden versenken lassen. Für Fahrer und Beifahrer zieht XPENG sogar eine KI-gestützte Sitztechnologie aus dem Ärmel: Sensoren passen die Konturen automatisch an den Körper an und packen in schnell gefahrenen Biegungen sanft an den Flanken zu.
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© XPeng Motors Germany GmbHReisen sieben Personen mit, bleiben hinter der letzten Reihe allerdings nur 367 Liter Kofferraumvolumen übrig. Das genügt für den normalen Alltagseinkauf, erfordert bei der großen Urlaubsfahrt mit voller Besetzung aber reichlich Talent beim Koffer-Tetris. Klappt man die hinteren Sitze um, wächst das Ladevolumen auf bis zu 1.330 Liter an. Ergänzt wird der Stauraum durch einen 65 Liter großen Frunk unter der Fronthaube sowie zwei Tonnen Anhängelast. Damit sich das Schiff im Parkhaus nicht wie ein ungelenker Ozeandampfer anfühlt, spendiert XPENG eine serienmäßige Hinterradlenkung, die den Wendekreis auf kompakte elf Meter drückt.
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© XPeng Motors Germany GmbH540 kW Ladepeak: Phänomenale Technik trifft Ladesäulen-Alltag
Das eigentliche Glanzstück verbirgt sich im 800-Volt-Unterboden: Eine Spitzenladeleistung von bis zu 540 kW soll den 110-kWh-Akku unter idealen Bedingungen in unter zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent füllen. Das ist sprichwörtlich flotter erledigt, als man an der Autobahnraststätte den doppelten Espresso bezahlen und austrinken kann.
Hier gehört zur Wahrheit allerdings auch ein Schuss Nüchternheit: Wer diese Ladeleistung in Europa abrufen möchte, sucht die passenden Ladesäulen derzeit noch mit der Lupe. Der Großteil der aktuellen High-Power-Charger macht bei 300 bis 400 kW dicht. Zwar zieht der G9L auch dort das absolute Maximum aus dem Kabel, doch seine vollen Kraftreserven sind vorerst eine Wette auf den künftigen Netzausbau. Immerhin beweist der Wagen damit vorbildliche Zukunftssicherheit. Für das Laden daheim oder am Hotel gibt es zudem serienmäßig einen 22-kW-Bordlader für Wechselstrom, was bei weitem keine Selbstverständlichkeit in dieser Klasse ist.
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© XPeng Motors Germany GmbHReichlich Vortrieb, Kinosaal im Fond und ein Fragezeichen beim Autopiloten
In Sachen Antrieb stehen zwei Ausrichtungen bereit: Ein Hecktriebler mit 270 kW (367 PS) und bis zu 591 Kilometern Reichweite sowie eine Allrad-Performance-Variante mit 430 kW (585 PS), die den Brocken in 4,9 Sekunden auf Tempo 100 wuchtet. Bei 200 km/h wird elektronisch abgeregelt. Ein vorausschauendes Zweikammer-Luftfahrwerk bügelt Querfugen glatt und hebt die Karosserie bei Bedarf auf bis zu 216 Millimeter Bodenfreiheit an.
Im Cockpit dominiert ein 17,3 Zoll großer Touchscreen, auf dem Google Maps samt Ladeplanung direkt ab Werk läuft. Für die hinteren Reihen klappt bei Bedarf ein 21,4 Zoll großes 3K-Display aus dem Fahrzeughimmel, beschallt von insgesamt 23 Lautsprechern.
Gleichzeitig verspricht XPENG mit seinen hauseigenen Turing-Chips und dem VLA-2.0-System das Rüstzeug für teilautomatisiertes Fahren auf Level 2++, das ab 2027 per Over-the-Air-Update freigeschaltet werden soll. Bei solchen Ankündigungen darf man als Beobachter getrost eine Augenbraue heben: Europäische Behörden mahlen bei Genehmigungen für autonome Fahrfunktionen bekanntlich gründlich und langsam. Ob der digitale Chauffeur tatsächlich 2027 pünktlich anrollt, muss sich erst noch auf freier Wildbahn beweisen.
Unterm Strich schnürt XPENG mit dem G9L ein bemerkenswert starkes Paket. Viel Platz, luxuriöser Komfort, Fertigung in Österreich und Laderaten von einem anderen Stern treffen auf einen selbstbewussten, aber fairen Einstiegspreis. Wenn der Hersteller seine Software-Versprechungen zuverlässig auf die Straße bringt, dürften einige Kunden der traditionellen Premium-Hersteller durchaus ins Grübeln kommen.






