Zum Inhalt springen
LTD
Neuigkeiten

BYD Atto 8: Der Fünf-Minuten-Ladetraum

Von Sascha Riefe

Weltpremiere für den BYD Atto 8: Das siebensitzige Elektro-SUV beeindruckt mit 115 kWh Akku, bis zu 775 PS und extremem Flash-Charging. Alle Fakten, Stärken und die Hürden der Ladeinfrastruktur im Überblick.

BYD schickt sein bisheriges Flaggschiff Tang in den verdienten Ruhestand und stellt mit dem Atto 8 den passenden Nachfolger für die gehobene Langstrecke vor. Mit 5,04 Metern Länge, glatten zwei Metern Breite und Platz für bis zu sieben Personen fährt hier ein imposanter Koloss vor, der vor allem mit einer einzigen Zahl für Staunen sorgt: 1500 Kilowatt Spitzenladeleistung.

Die Lade-Revolution und ihr dicker Haken

Wer jemals an einer nasskalten Autobahnraststätte stand und dem Ladebalken beim quälend zähen Wandern zusah, reibt sich bei den Werksangaben ungläubig die Augen. Dank der zweiten Generation der hauseigenen Blade-Batterie soll der 115 Kilowattstunden fassende Stromspeicher in gerade einmal fünf Minuten von zehn auf siebzig Prozent erstarken. Nach neun Minuten sollen sogar 97 Prozent erreicht sein. Das wäre in der Praxis flotter erledigt, als die Kaffeemaschine an der Tankstelle überhaupt den Milchschaum aufschlagen kann.

Doch so verlockend dieser Blitzschlag klingt, so deutlich muss man als realistischer E-Auto-Fahrer den Finger in die Wunde legen. Um derartige Strommengen durch das Ladekabel zu jagen, braucht es BYDs spezielle Megawatt-Lader. An den normalen europäischen Schnellladesäulen ist aktuell bei 300 bis 400 Kilowatt das Ende der Fahnenstange erreicht. Zwar kündigt der Hersteller an, bis Ende 2027 rund 3.000 eigene Stationen in Europa und immerhin 300 Stück in Deutschland aufzustellen, doch bis dieses Netz wirklich steht, bleibt das Fünf-Minuten-Laden für viele Fahrer erst einmal graue Theorie. Zudem sorgt ein markenexklusiver Lade-Inselstaat selten für Begeisterung, wenn die Verkehrswende eigentlich auf offene Standards angewiesen ist.

Viele Pferdestärken treffen auf handfestes Akkugewicht

Bei den Antrieben stehen zwei Varianten im Prospekt. Die heckgetriebene Basis schickt 482 PS an die Hinterachse und verspricht nach WLTP-Messung eine Reichweite von bis zu 653 Kilometern. Das klingt nach reichlich Schmalz, entpuppt sich beim Blick auf den Tacho aber als erstaunlich gemütlich: Ganze acht Sekunden verstreichen beim Standardsprint auf Tempo 100. Hier fordert das massive Zellgewicht des 115-kWh-Akkus ganz ungeniert seinen Tribut. Wer die Fuhre zügiger in Bewegung setzen möchte, muss zur Allradversion greifen. Mit 775 PS katapultieren zwei E-Motoren das SUV in flotten 4,6 Sekunden auf Landstraßentempo, was die Reichweite allerdings auf 602 Kilometer stutzt.

Viel Komfort in der Hütte, wenig Kofferplatz bei Vollbesetzung

Äußerlich verkneift sich BYD wilde Experimente und kleidet den Atto 8 in einen klassischen, unaufgeregten SUV-Zwirn. An der Front fallen drei waagerechte Lichtlinien auf, während das Heck mit einem aufwendig geflochtenen LED-Leuchtband Akzente setzt.

Im Cockpit zieht der Hersteller dafür alle Register der automobilen Wohlfühlkultur. Hinter dem Lenkrad blickt man auf ein gigantisches 26-Zoll-Head-up-Display, flankiert von einem zentralen 15,6-Zoll-Monitor mit integrierten Google-Diensten. In den ersten beiden Sitzreihen darf nicht nur klimatisiert, sondern auf Knopfdruck auch geknetet werden. Ein integriertes Kühl- und Wärmefach in der Konsole hält Proviant auf Temperatur. Allerdings gilt auch hier: Sitzen sieben Personen an Bord, schrumpft der hintere Kofferraum auf bescheidene 270 Liter zusammen. Mehr als Handgepäck passt dann kaum noch hinein. Ein echtes Trostpflaster für die Reise ist dafür der Frunk unter der Fronthaube: Mit satten 136 Litern Volumen schluckt das vordere Fach nicht nur Ladekabel, sondern mühelos eine ganze Sporttasche.

Unterm Strich liefert BYD mit dem Atto 8 ein beachtliches Technik-Paket ab, das viel Komfort und enorme Batteriekapazität bietet. Ob das Modell den europäischen Markt wirklich aufmischt, entscheidet sich letztlich an der Preistafel und daran, wie zügig die Chinesen ihre ultraschnellen Ladesäulen tatsächlich in den europäischen Asphalt pflanzen.

© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.
© BYD Europe B.V.

Über den Autor

Sascha RiefeChefredakteur

Sascha ist Mediengestalter und passionierter Automobil-Enthusiast. Er vereint kreative Expertise mit einer tiefen Leidenschaft für den Motorsport, blickt dabei aber ebenso offen auf die Entwicklungen der Elektromobilität. Branchenerfahrung sammelte er bereits bei Motorsport-Total, Formel1.de und Motor1 Germany. Zudem verantwortet er den Social-Media-Auftritt des Formel-1-Podcasts Starting Grid.

Mehr zum Thema

© Tesla
Neuigkeiten

Zwischen Stratosphäre und Asphalt: Teslas neuer Roadster

Tesla enthüllt die seriennahe Version des neuen Roadster mit SpaceX-Technik, bis zu 370 km/h Spitze und Kaltgas-Düsen. Alle Fakten zu den drei Versionen, Preisen und unserer Kritik zum radikalen Sinneswandel aus Kalifornien.

Sascha Riefe ·


Kommentare (0)

Melde dich an, um zu kommentieren.

  • Noch keine Kommentare. Sei der Erste!