BYD schickt sein bisheriges Flaggschiff Tang in den verdienten Ruhestand und stellt mit dem Atto 8 den passenden Nachfolger für die gehobene Langstrecke vor. Mit 5,04 Metern Länge, glatten zwei Metern Breite und Platz für bis zu sieben Personen fährt hier ein imposanter Koloss vor, der vor allem mit einer einzigen Zahl für Staunen sorgt: 1500 Kilowatt Spitzenladeleistung.
© BYD Europe B.V.
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© BYD Europe B.V.Die Lade-Revolution und ihr dicker Haken
Wer jemals an einer nasskalten Autobahnraststätte stand und dem Ladebalken beim quälend zähen Wandern zusah, reibt sich bei den Werksangaben ungläubig die Augen. Dank der zweiten Generation der hauseigenen Blade-Batterie soll der 115 Kilowattstunden fassende Stromspeicher in gerade einmal fünf Minuten von zehn auf siebzig Prozent erstarken. Nach neun Minuten sollen sogar 97 Prozent erreicht sein. Das wäre in der Praxis flotter erledigt, als die Kaffeemaschine an der Tankstelle überhaupt den Milchschaum aufschlagen kann.
Doch so verlockend dieser Blitzschlag klingt, so deutlich muss man als realistischer E-Auto-Fahrer den Finger in die Wunde legen. Um derartige Strommengen durch das Ladekabel zu jagen, braucht es BYDs spezielle Megawatt-Lader. An den normalen europäischen Schnellladesäulen ist aktuell bei 300 bis 400 Kilowatt das Ende der Fahnenstange erreicht. Zwar kündigt der Hersteller an, bis Ende 2027 rund 3.000 eigene Stationen in Europa und immerhin 300 Stück in Deutschland aufzustellen, doch bis dieses Netz wirklich steht, bleibt das Fünf-Minuten-Laden für viele Fahrer erst einmal graue Theorie. Zudem sorgt ein markenexklusiver Lade-Inselstaat selten für Begeisterung, wenn die Verkehrswende eigentlich auf offene Standards angewiesen ist.
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© BYD Europe B.V.Viele Pferdestärken treffen auf handfestes Akkugewicht
Bei den Antrieben stehen zwei Varianten im Prospekt. Die heckgetriebene Basis schickt 482 PS an die Hinterachse und verspricht nach WLTP-Messung eine Reichweite von bis zu 653 Kilometern. Das klingt nach reichlich Schmalz, entpuppt sich beim Blick auf den Tacho aber als erstaunlich gemütlich: Ganze acht Sekunden verstreichen beim Standardsprint auf Tempo 100. Hier fordert das massive Zellgewicht des 115-kWh-Akkus ganz ungeniert seinen Tribut. Wer die Fuhre zügiger in Bewegung setzen möchte, muss zur Allradversion greifen. Mit 775 PS katapultieren zwei E-Motoren das SUV in flotten 4,6 Sekunden auf Landstraßentempo, was die Reichweite allerdings auf 602 Kilometer stutzt.
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© BYD Europe B.V.Viel Komfort in der Hütte, wenig Kofferplatz bei Vollbesetzung
Äußerlich verkneift sich BYD wilde Experimente und kleidet den Atto 8 in einen klassischen, unaufgeregten SUV-Zwirn. An der Front fallen drei waagerechte Lichtlinien auf, während das Heck mit einem aufwendig geflochtenen LED-Leuchtband Akzente setzt.
Im Cockpit zieht der Hersteller dafür alle Register der automobilen Wohlfühlkultur. Hinter dem Lenkrad blickt man auf ein gigantisches 26-Zoll-Head-up-Display, flankiert von einem zentralen 15,6-Zoll-Monitor mit integrierten Google-Diensten. In den ersten beiden Sitzreihen darf nicht nur klimatisiert, sondern auf Knopfdruck auch geknetet werden. Ein integriertes Kühl- und Wärmefach in der Konsole hält Proviant auf Temperatur. Allerdings gilt auch hier: Sitzen sieben Personen an Bord, schrumpft der hintere Kofferraum auf bescheidene 270 Liter zusammen. Mehr als Handgepäck passt dann kaum noch hinein. Ein echtes Trostpflaster für die Reise ist dafür der Frunk unter der Fronthaube: Mit satten 136 Litern Volumen schluckt das vordere Fach nicht nur Ladekabel, sondern mühelos eine ganze Sporttasche.
Unterm Strich liefert BYD mit dem Atto 8 ein beachtliches Technik-Paket ab, das viel Komfort und enorme Batteriekapazität bietet. Ob das Modell den europäischen Markt wirklich aufmischt, entscheidet sich letztlich an der Preistafel und daran, wie zügig die Chinesen ihre ultraschnellen Ladesäulen tatsächlich in den europäischen Asphalt pflanzen.



